Daher werden noch heute Feinkostläden in Italien als Norcineria bezeichnet. Ebenso ist die Hochebene von Castelluccio für die leckersten Linsen Italiens weitum bekannt.
Blauäugig staunen wir anfänglich ob den vielen Baugerüsten um das Städtchen. Erst beim durchlaufen des Stadttors realisieren wir, dass es Norcia praktisch nicht mehr gibt. Wir sind inmitten des vom Erdbeben im August 2016 betroffenen Teils Italiens. Das ganze Gebiet zwischen Amatrice, Norcia und viel mehr wurde zerstört.
In Norcia sehen wir, dass ein Grossteil der Stadt noch «zona rossa» ist und somit nicht begehbar. Ausserhalb der Stadt sind in Containern die Ladenprovisorien und ganze Wohnsiedlungen erstellt worden.
Auf der Hochebene sind wir froh um den wunderschönen Anblick. Für die Farbenpracht während der Blüte der Linsen sind wir zu spät, dennoch ist der Ausblick und Weitblick atemberaubend schön und wie von Elfenhand gemalt. Hier und dort eine Ranch, Schafherden, sonst nur grün in allen Tönen. Das Gebiet gehört zum sibillinischen Nationalpark.
Das Ausmass des Erdbebens wird uns bewusst als wir uns dem Dörfchen Castelluccio nähern. Das Dorf ist nur noch ein Steinhaufen. Hier wohnt niemand mehr. Die Linsenbauern haben jedoch nicht aufgegeben, sondern bewirtschaften weiterhin ihre Felder. Sie wohnen auch hier in Notunterkünften. Auf der Weiterfahrt bedrückt uns immer wieder das gleiche Bild. Sicher die Hälfte der Dörfer sind zerstört, Steinhaufen um Steinhaufen, ab und zu sieht man sogar noch der Hausrat, die Räumungsarbeiten sind noch immer im Gange oder inexistent. Ganze Dörfer aus Container-Häusern sind neu erstellt. An den Strassen wird gearbeitet – es sind kilometerweise Abbrüche zu sehen. Wir sind tiefbetroffen, es schmerzt, den Tränen nahe. Die Zerstörungswucht des Erdbebens war uns nicht bewusst. Und dass wir damals ein paarmal «Pasta all’Amatriciana» gegessen, für die Wiederbauarbeiten gespendet haben und es aber längst wieder in Vergessenheit geraten ist, beschämt uns.
Ursprünglich wollten wir hier eine Bleibe suchen, entscheiden uns jedoch weiterzufahren. Auf der Strecke finden wir keinen Campingplatz. Auch in Gubbio ohne Erfolg, denn dieser ist seit 2018 geschlossen. Der Sosta Camper ist trostlos. So buchen wir uns ein Zimmer in der Altstadt. Wunderschön und kaum teurer. Hunde willkommen. Das mittelalterliche Städtchen Gubbio ist uns auf der Fahrt in den Süden schon aufgefallen. Wegen des Dorffestes war es aber damals übervölkert. Jetzt geniessen wir die schöne Atmosphäre, überblicken das schöne umbrische Tal. Wir aperölen unseren Feriendrink «Campari Spritz» und lassen uns ein feines umbrischen Abendessen servieren. Es war ein eindrücklicher Tag in jeder Hinsicht….
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